Es ist selten, dass eine Hardware-Einführung sofort eine Marktveränderung signalisiert, doch die Zahlen deuten darauf hin, dass hier etwas anderes geschieht. Seit der Veröffentlichung von 3D Gaussian Splatting (3DGS) wartet die Branche auf ein speziell entwickeltes Aufnahmegerät. Am 2. September 2025 brachte das in Shenzhen ansässige Unternehmen XGRIDS die PortalCam räumliche Kamera auf den Auslandmarkt, was sofort eine lebhafte Diskussion auf LinkedIn auslöste.
Durch die Nutzung von 3DGS will PortalCam den Arbeitsablauf demokratisieren, der physische Räume in bearbeitbare, fotorealistische 3D-Modelle verwandelt.
1. Die PortalCam Räumliche Kamera: Technische Aufschlüsselung
Im Gegensatz zu herkömmlichen Photogrammetrie-Geräten oder rein industriellen Laserscannern verbindet PortalCam die Benutzerfreundlichkeit für Verbraucher mit professioneller Datendichte.

Kerntechnologie & Technische Daten
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Sensorfusion-Architektur: Das Gerät verfügt über ein Vierfach-Kamera-Array kombiniert mit LiDAR. Diese Anordnung ermöglicht die gleichzeitige Erfassung von Geometrie (über LiDAR) und Textur/Strahlung (über Kameras).
- LiDAR: 30-Meter-Reichweite für präzise Tiefen- und Raumbeziehungen.
- Optik: Duale Fischaugenlinsen sorgen für eine blindenwinkelfreie Rundumsicht, während zwei frontseitige Kameras hochfrequente Details (Text, Texturen) erfassen.
- Rechenleistung am Gerät: Mit einem firmeneigenen Multi-SLAM-Algorithmus wiegt das Gerät nur 870g und ermöglicht so die Bedienung mit einer Hand. Es verbindet Sensordaten in Echtzeit, um skalierbare räumliche Modelle zu erstellen, ohne an einen PC gebunden zu sein.
- Akkulaufzeit: Das Gerät unterstützt 60 Minuten Dauerbetrieb durch ein austauschbares Akkusystem.

Software-Arbeitsablauf: LCC Studio
Die begleitende LCC Studio Software übernimmt die aufwändige Nachbearbeitung.
- Automatisierung: Kann 100m² Scandaten in etwa 10 Minuten verarbeiten.
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Kompatibilität: Wichtig für Entwickler: Die Software schlägt die Brücke zwischen Rohdaten und Spiel-Engines. Sie exportiert nicht nur proprietäre
.LCCund Standard-.PLY-Dateien, sondern auch.USDZfür Arbeitsabläufe im Apple-Ökosystem. - Integration: Die erzeugten 3D-Modelle sind kompatibel mit Unity, Unreal Engine und WebXR und unterstützen die sofortige Nutzung in VR/AR oder virtuellen Produktionsabläufen.
Hauptanwendungsbereiche
- Bauwesen & Immobilien: Schnelle digitale Zwillingserstellung. Eine 280m² große Immobilie kann in etwa 15 Minuten erfasst werden, was sofortige Messungen und virtuelle Einrichtung ermöglicht.
- Virtuelle Produktion (VFX): Standortbesichtigung und Vorvisualisierung. Teams können Beleuchtungs- und Blockierungsdaten vor Ort erfassen und direkt in 3D-Umgebungen importieren, was Ausfallzeiten am Set verringert.
- Spielentwicklung: Schnelle Erstellung von Spielobjekten. Umwandlung realer Umgebungen in spielbereite Netze oder Splats.
- Archivierung: Hochwertige Bewahrung von Kulturerbestätten oder persönlichen Räumen mit fotorealistischer Beleuchtung, die durch 3DGS ermöglicht wird.




Preise & Sets
Der weltweite Versand wird über OpenELAB abgewickelt, mit Lagern in München, Long Beach und Shenzhen. Hinweis: Bestellungen aus der EU sind DDP (Zoll und Lieferung bezahlt), während in anderen Regionen der Kunde die Zollabfertigung übernehmen muss.
Reaktion der Nutzer: Wie Nutzer pixelreconstruct im Einführungsvideo bemerkte: „Dies ist der erste echte Konkurrent zu Matterport. Der Preis ist aggressiv. Hoffe, den Arbeitsablauf bald zu prüfen.“
2. Branchenanalyse: Die Sicht von LinkedIn
Die Analyse der Beteiligung auf LinkedIn (gefiltert nach Beiträgen mit über 100 Likes) zeigt, dass die Diskussion unter Fachleuten über das „Wie kaufe ich es?“ hinausgeht und die Auswirkungen auf die räumliche Computerbranche beleuchtet.

Die Debatte um Genauigkeit vs. Darstellung
Ryan Chris Brown (Leiter Entwickler-Ökosystem, Looking Glass) brachte eine berechtigte technische Frage auf: Obwohl der LiDAR-Sensor optisch auffällig ist, muss XGRIDS genaue Genauigkeitsdaten veröffentlichen. Für die Darstellung reicht „gut genug“; für Vermessungen brauchen Ingenieure genaue Toleranzen.
Das „Geschlossene Garten“-Problem
David W Jaunay (Geodaten-Architekt) und Jamie Portolese (GIS-Fachmann) konzentrierten sich auf das Geschäftsmodell. Der derzeitige Marktführer Matterport wird für ein geschlossenes Ökosystem kritisiert, in dem Nutzer ihre eigenen Daten mieten müssen.
- Die Chance: Wenn PortalCam echte Datenhoheit bietet (lokale Verarbeitung, gebührenfreie Exporte), durchbricht es den abonnementlastigen Status quo.
- Das Risiko: Wenn XGRIDS hochauflösende Exporte hinter einem Premium-Abo versteckt, wiederholen sie die Fehler der Altanbieter.
Auflösungsgrenzen
Cyril PREISS (Geschäftsführer, Gigascope) gab frühes Feedback aus der Praxis. Obwohl die Benutzerführung flüssig ist, hatte die Auflösung feiner Details (z. B. Text auf kleinen Objekten) in seinen Tests Schwierigkeiten. Dies zeigt den aktuellen Kompromiss zwischen der Geschwindigkeit von Gaussian Splatting und der absoluten Klarheit hochwertiger Photogrammetrie.

Zusammenfassung
Mit über 300 verkauften Einheiten in den ersten 24 Stunden hat XGRIDS den Markt der Frühkäufer erfolgreich erobert. Die Hardware-Daten – besonders das leichte Design und die 30m LiDAR-Reichweite – sind für Außendienstingenieure überzeugend.
Der langfristige Erfolg der PortalCam wird jedoch nicht nur von der Hardware abhängen, sondern vom Software-Ökosystem. Kann es beständig sauberere Daten liefern, die mit Unreal/Unity-Arbeitsabläufen kompatibel sind, ohne Nutzer in ein Cloud-Abo zu binden?
Für den Moment stellt die PortalCam neben Drohnen und terrestrischen Scannern eine neue, wendige Kategorie im Werkzeugkasten der räumlichen Erfassung dar.
Quellen:
